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Was ist eigentlich "Ayahuasca"?

Verfasst: Donnerstag 10. Januar 2019, 15:41
von Shiva
Allgemeine Informationen

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Ayahuasca, Yagé [jaˈhe], Yajé [jaˈhe], Natem, Cipó, Daime, Hoasca (und andere) sind Namen für einen psychedelisch wirkenden Pflanzensud aus der Liane Banisteriopsis caapi und N,N-Dimethyltryptamin-haltigen Blättern des Kaffeestrauchgewächses Psychotria viridis.

In manchen Fällen ist mit der Bezeichnung Ayahuasca auch nur die Liane Banisteriopsis caapi gemeint. Der Sud enthält Harman-Alkaloide, die als Monoaminooxidase-Hemmer wirken und so den Abbau des Halluzinogens N,N-Dimethyltryptamin (DMT) verlangsamen.

Ayahuasca Religion

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Mutter Ayahuasca
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Die Angehörigen diverser Amazonas-Ethnien gebrauchen Ayahuasca in rituellen religiösen Zeremonien, um sich in einen Trance-Zustand zu versetzen. Der Gebrauch ist im amazonischen Brasilien, Bolivien, Peru, im Orinocodelta von Venezuela bis an die Pazifikküste von Kolumbien und Ecuador verbreitet.

Sie glauben unter anderem, dadurch Geister und Ahnen zu treffen, in die Zukunft zu blicken oder Lösungen und Heilwege für Krankheiten und psychosoziale Konfliktlagen zu finden. Ayahuasca wird dafür häufig von Curanderos, Ayahuasceros oder Vegetalistas (Heilkundige in traditioneller Amazonas- oder Andenmedizin) für die Heilung von Krankheiten benutzt. Für die Schamanen ist die Wirkung des Tranks nicht auf einen Wirkstoff zurückzuführen, sondern auf die Pflanzenseelen, die sich den Menschen unter Ayahuasca-Einfluss als Lehrmeister offenbaren.

Es sind im 20. Jahrhundert in Brasilien diverse Ayahuasca-Religionen entstanden, darunter União do Vegetal, Barquinha und Santo Daime, die in den Städten von der Mittelschicht frequentiert werden und inzwischen auch international präsent sind. Der religiöse Gebrauch ist in Brasilien rechtlich garantiert und in den USA durch eine Entscheidung des Supreme Court seit 2006 legalisiert.

Eigenschaften und Inhaltsstoffe

Ayahuasca ist, je nach Zubereitung, ein faulig-bitter oder süßlich schmeckendes Getränk. Die Farbe ist üblicherweise bräunlich, was sich aber durch beigemischte Zutaten verändern kann. Der Trank ist ein wässriger Auszug aus der Liane Banisteriopsis caapi unter Zugabe von DMT-haltigen Pflanzen.

Chemische Inhaltsstoffe lassen sich in Ayahuasca, je nach Beimischung, in unterschiedlichen Mengenanteilen finden: Dimethyltryptamin, 5-MeO-DMT, Harmin, Harmalin, Tetrahydroharmin, Bufotenin, N-Methyltryptamin, Harmalol, Harmol, 2-Methyl-1,2,3,4-tetrahydro-β-carbolin (2-MTHBC), DMT-NO, d4-5-MeO-DMT, Harmin-N-oxid, Harminamid, Harminsäure, Harminsäuremethylester, Harmalinsäure, 6-Methoxytryptamin, Banistenosid A, Banistenosid B, Acetylnorharmin, Ketotetrahydronorharmin, Tetrahydronorharmin, Shihunin und Dihydroshihunin.

Ayahuasca Tourismus und Gebrauch in westlichen Ländern

Ende der 1990er Jahre entwickelte sich ein westlicher Ayahuascatourismus, wodurch im oberen Amazonasgebiet, vorwiegend in Peru, florierende "Heilungszentren" entstehen, die meist US-amerikanischen Besitzern gehören und lokale mestizische Schamanen in Honorartätigkeit bezahlen oder anstellen. Die Angebote richten sich nicht selten an die Erwartungen des westlichen Publikums an eine vermeintliche Authentizität indianisch-schamanischer Spiritualität und Weisheit. Westliche neoschamanische und patchworkreligiöse Elemente werden mit mestizischem Animismus und Schamanismus und ostasiatischen Versatzstücken aus Buddhismus und Yoga vermischt, um den Erwartungen des westlichen Ethnotherapie-Publikums gerecht zu werden. Ebenso ist jedoch auch die Globalisierung von Ayahuasca in die andere Richtung zu verzeichnen, so dass sich in Nordamerika und Europa heutzutage mehr und mehr Ayahuascaangebote finden lassen, teilweise durch südamerikanische Schamanen, die dort Seminare und Retreats anbieten, teilweise durch westliche Neoschamanen, westliche alternative Psychotherapeuten und Ayahuasca-Kirchen, bzw. deren globalisierte Ableger.

Ayahuasca wird dabei als vermeintlich jahrtausende-alte Heilungsmethode für nahezu alles übergeneralisiert.

Psychotherapeutische und medizinische Potentiale, Risiken und pharmakologische Wirkeigenschaften von Ayahuasca werden seit Mitte der 1990-Jahre auch mit modernen wissenschaftlichen Methoden erforscht, häufig mit dem Ziel, den Gebrauch aus dem traditionellen schamanischen Kontext zu lösen und für ganz bestimmte Störungsbilder wie beispielsweise chronische posttraumatische Belastungsstörung, Abhängigkeitserkrankungen und therapieresistente Depressionen innerhalb der westlichen Psychotherapie nutzbar zu machen. Führende Forschungen auf diesem Gebiet kommen meist aus Brasilien, USA, Kanada und Spanien.

Wirkung und Rausch

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Die Wirkung variiert durch die Art der Banisteriopsis-Liane und der beigemischten Pflanzen. Typischerweise stellen sich nach dem Konsum des bitteren Gebräus psychedelische Zustände ein. Der Bewegungsapparat bleibt meist kontrolliert, jedoch kann die bewusste Motorik eingeschränkt sein. Ayahuasca bewirkt unter anderem Visionen und eine subjektive Erweiterung des Bewusstseins sowie ein verschärftes Gehör. Der Konsum des Dimethyltryptamin-haltigen Ayahuasca kann zu Erlebnissen führen, die einer Nahtoderfahrung ähnlich sind.

Abhängigkeit

Für das Auftreten einer Abhängigkeit durch Einnahme von Ayahuasca gibt es keine Hinweise. Deshalb wurde der Pflanzensud 2006 in Brasilien aus der Liste halluzinogener Drogen gestrichen. Bei langjährigen Ayahuasca-Trinkern im religiösen Kontext haben Wissenschaftler im Gegenteil ein anderes Phänomen festgestellt: eine stabilere Persönlichkeit, ein besseres Gedächtnis und eine bessere Integration ins gesellschaftliche Umfeld als bei der Kontrollgruppe. Diese Studien untermauerten die Freigabe von Ayahuasca für den religiösen Gebrauch sowohl in Brasilien als auch den USA.

Nebenwirkungen

Bekannte und häufige akute Wirkungen sind Erbrechen, Durchfall oder Schweißausbrüche, wobei diese Symptome traditionell häufig nicht als Nebenwirkungen, sondern als beabsichtigte Hauptwirkung angesehen werden, die in Kombination mit den psychischen Effekten eine umfassende spirituell-psycho-physische Reinigung bewirken sollen.

Angstzustände und vorübergehende psychotische Zustände können bei unsachgemäßer Anwendung ausgelöst werden. Dem Gebrauch von Ayahuasca liegt eine gewisse Unsicherheit in den Ergebnissen zu Grunde. Die Reaktionen während Ayahuasca-Zeremonien rangierten zwischen dem tiefen Zustand der Ruhe und gequältem Schreien um Vergebung. Menschen, bei denen psychotische oder manische Episoden in der persönlichen oder familiären Krankheitsgeschichte vorkamen, wird davon abgeraten, Ayahuasca zu trinken.