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Bier im alten Ägypten

Verfasst: Mittwoch 9. Januar 2019, 09:43
von Alkoholiker from Hell
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Bier war das Nationalgetränk der alten Ägypter.
Was ist das für eine schlechte Art wie du mir gegenüber handelst? Ich bin für dich wie ein Esel. Wenn es Arbeit gibt, wird der Esel geholt. Dann wenn es Wehklagen gibt, wird das Rindvieh geholt. Wenn es Bier gibt, dann rufst du mich nicht. Wenn es aber Arbeit gibt, dann rufst du mich. Dann mal unter uns gesagt: Bin ich ein Mann, der schlecht ist im Umgang mit Bier? Veranlasse, dass nach mir gerufen wird (wenn es Bier gibt)! Ich bin ein Mann, der kein Bier in seinem Haus hat! Ich ersuche meinen Bauch zu füllen, in dem ich dir schreibe.
Beschwerdebrief von Prehotep an seinen Vorgesetzten, den Sekretär der Stätten der Maat (Gräberverwaltung)
Ostrakon aus Deir el-Medinah (oDM 303), 19. Dynastie,
um 1200 v. Chr.

Bier war mit Abstand das beliebteste Getränk der Ägypter. Das lässt sich nicht nur aus dem Brief oben erahnen, in dem sich ein Mann beschwert, dass er nur gerufen wird wenn es Arbeit, nie aber wenn es Bier gibt. Die Ägypter liebten hr Bier und Soldaten und Arbeiter erhielten den Gerstensaft sogar als Lohn (Geld war bei den Ägyptern nicht bekannt). Ein Pyramidenarbeiter erhielt 5 Krüge Bier am Tag, aber wahrscheinlich wurde nicht jeder Liter getrunken, sondern einiges an Flüssigkeiten auch zum Tauschhandel mit anderen Waren genutzt. So warnte auch der Weise Anch-Scheschonqi den Müßiggänger: „Betrinke dich nicht zu oft, damit du nicht den Verstand verlierst.“

Wie brauten die Ägypter ihr Bier?
Das ägyptische Bier wurde vornehmlich aus Gerste gebraut, seltener aus Emmer. 1990 entdeckten Archäologen in Pharao Echnatons alter Hauptstadt Achetaton (heutiges Amarna) einen Küchenkomplex, der ursprünglich zu einem Tempel gehörte. In den dort gelagerten und gefundenen Bottichen, entdeckten die Archäologen Bierreste, die sofort ins Labor geschickt und analysiert wurden. So konnten die Wissenschaftler ziemlich genau rekonstruieren, wie die alten Ägypter ihr Bier brauten, das übrigens auch schon damals etwa 6% Alkohol (!) hatte.

Die Gerstenkörner wurden ein paar Tage ins Wasser gelegt, bis sie anfingen zu keimen. Durch die Hitze setzten die Hefekulturen einen Gärprozess im Gang und es entstand Malzzucker.
Um die Körner nun von den Hülsen zu trennen, wurde das Malz zerquetscht (geschrotet) und die Keimlinge entfernt.
Das Gemisch wurde durch das Zugeben von Mehl zu einem Brot leicht angebacken.
Anschließend zerbröselten die Ägypter die Brotstücke und gaben Dattelsaft und Wasser dazu. Durch das Gemisch von Wasser und zucker-/stärkehaltige Bestandteilen entstand die so genannte „Maische“, die anschließend kräftig durchgeknetet wurde, um die Flüssigkeit in einem Behälter auffangen zu können.
Das nun fertige Bier wurde in Krügen umgefüllt und je nach Bedarf noch mit Gewürzen verfeinert oder mit Wasser verdünnt.

Verschiedene Geschmacksrichtungen
Je nach Grad der Erhitzung beim Mälzen konnten unterschiedliche Geschmacksrichtungen entstehen. Durch sehr starkes Erhitzen wurden die Getreidekörner karamellisiert und das daraus entstandene sehr dunkle Bier hatte daher auch einen karamell-artigen und rauchigen Geschmack. Um dem Getränk eine besondere Note zu geben, mischten die Ägypter verschiedene Zutaten wie Datteln, Feigen, Koriander, Dum-Nüsse und Christusdornfrüchte in ihr Bier. Die Färbung war je nach Malzprozess rot bis dunkelbraun, wobei die dunkleren Biere einen höheren Alkoholgehalt hatten als die helleren. Das ägyptische Bier war nicht so klar wie unseres sondern trüb, durchsetzt mit Rückständen, die Siebe nicht auffangen konnte.

Das Bier der Ägypter war nicht lange haltbar, daher musste es fast täglich neu gebraut werden.